Ratgeber · Gebäudeautomation

Smart oder altmodisch?

Ein Elektriker aus Ravensburg über Bussysteme, Kupferpreise und die Frage, wann sich smart wirklich lohnt
22. September 2026 · 8 Minuten Lesezeit · Marc Köbach
Ankleide mit indirekter LED-Beleuchtung in den Regalen
Fertiges Wohnhaus: Präsenzmelder, Lichtszenen und Taster in einem System. · Foto: @eteam_smarthome

Wir bauen jede Woche Elektroinstallationen ein. Mal smart, mal klassisch. Und uns fällt seit Jahren dasselbe auf: Es wird immer noch überwiegend altmodisch installiert. Warum eigentlich?

Genau darum geht es in diesem Beitrag. Mit Zahlen, mit Beispielen aus unseren Projekten und mit den Fällen, in denen wir selbst von der smarten Variante abraten.

Wenn ein System gut ist, wird es auch eingebaut

Smart Home ist nicht neu. Die Idee, ein Gebäude zentral zu steuern, ist älter als die meisten Häuser, die gerade gebaut werden. Trotzdem sehen wir auf den Baustellen weiter das Gleiche: Schalter, Leitung, Lampe. Punkt.

Für uns ist das ein Urteil. Die bisherigen smarten Systeme haben sich nicht durchgesetzt. Wenn ein System gut ist, dann wird es auch eingebaut. Da muss niemand überredet werden.

Das Basissystem ist älter als das erste iPhone

Das Bussystem, auf dem ein Großteil der sogenannten modernen Gebäudetechnik bis heute aufbaut, wurde im Frühjahr 2002 veröffentlicht. Europäische Norm 2003, internationale Norm 2006. Das erste iPhone kam im Januar 2007 auf den Markt.

Man stelle sich das vor: Das Bussystem im Neubau ist älter als das erste iPhone.

Die Software zum Programmieren ist bis heute kostenpflichtig, die Vollversion liegt bei rund 1.000 Euro. Und programmiert wird im Kern wie 2002. Moderne Funktionen, die man heute braucht, sind dort schlicht nicht abgebildet.

Audio? Inselsystem. Bildübertragung an der Haustür? Inselsystem. Kameras? Noch ein Inselsystem. Jede Insel bringt ihre eigene App mit, ihren eigenen Update-Zyklus und ihre eigene Fehlerquelle. Am Ende hat der Kunde vier Apps auf dem Handy und wundert sich, warum nichts davon miteinander redet.

Neu verdrahteter Verteiler mit Loxone-Komponenten im Hausanschlussraum
Spannungsmessung am Anschluss. Die Basis muss stimmen, egal welches System später darauf läuft. · Foto: @eteam_smarthome

Was moderne Systeme anders machen

Wir arbeiten deshalb mit Herstellern, die das ganze Gebäude in einem System abbilden. Eine Programmierung, eine Oberfläche, ein Ansprechpartner:

  • Licht, Beschattung, Heizung und Kühlung
  • Audio in jedem Raum, nicht als Insel, sondern als Teil der Gebäudelogik
  • Türkommunikation mit Bild, Zutrittssteuerung, Anwesenheitssimulation
  • Energiemanagement mit PV-Anlage, Speicher und Wallbox

Dazu kommt der Punkt, der über zwanzig Jahre entscheidet: unendlich lange Updates. Kein Lizenzkauf pro Projekt, keine Generation, die nach fünf Jahren abgekündigt wird. Stand 2026 ist die moderne Gebäudeinstallation angekommen.

Wir verkabeln herstellerunabhängig

Über diesen Punkt spricht kaum jemand, dabei ist er der wichtigste: Wir verkabeln das Gebäude herstellerunabhängig.

Verlegt werden Standard-Buskabel, die für alle modernen Gebäudeinstallationen verwendet werden können. Bei der Beleuchtung verlegen wir Leitungen, über die man 230 V oder 24 V führen darf.

Damit legt die Verkabelung Sie auf keinen Hersteller fest. Wer in fünfzehn Jahren auf ein anderes System wechseln will, tauscht die Komponenten. Die Leitungen bleiben in der Wand. Technologieoffen ab dem Rohbau.

Basic Smart: die Dinosaurier unter der smarten Elektronik

In unserem Basic Smart Programm bieten wir nicht die neuesten Komponenten an, sondern die langlebigsten. Die Dinosaurier unter der smarten Elektronik.

Nur bewährte Komponenten. Bauteile, von denen wir aus eigener Erfahrung wissen, wie sie sich über die Jahre verhalten. Wir betreuen Smart Homes, die seit über zehn Jahren komplett wartungsfrei laufen. Das ist Erfahrung aus der Praxis.

Der unterschätzte Sparfaktor

Über Komfort wird beim Smart Home viel geredet. Über Heizkosten zu wenig.

Wir haben eine Zahnarztpraxis in Waldburg bei Ravensburg mit smarten Stellantrieben ausgestattet. Vorher lag der Verbrauch bei rund 2.500 Litern Heizöl im Jahr. Heute sind es rund 1.500 Liter.

1.000 Liter Heizöl weniger, Jahr für JahrDas sind 40 Prozent Einsparung. Bei einem Heizölpreis von 98,45 Euro je 100 Liter (Stand September 2026) rund 985 Euro im Jahr.

Die Maßnahme hat sich nach einem halben Jahr bezahlt gemacht. Und sie ist in Realität geformter Umweltschutz. Geheizt wird nur dort, wo auch jemand ist. Im System ist das eine Einstellung, keine Baumaßnahme.

Treppenhaus im fertigen Wohnhaus mit Präsenzmelder, Taster und Wandleuchte
Licht, das mitdenkt: sanfte Orientierung nachts, natürliches Aufwachen am Morgen. · Foto: @eteam_smarthome

Der Wandel der Zeit

Ein weiteres Argument für die smarte Elektroinstallation ist der Wandel der Zeit. Wenn Sie jetzt noch eine altmodische Elektrik einbauen, kann es sein, dass diese den Anforderungen von morgen nicht mehr gerecht wird.

Niemand weiß, wie ein Gebäude in fünfzehn Jahren genutzt wird. Eine smarte Elektroinstallation bietet deshalb Flexibilität im Investment. Aus einer Mietwohnung wird betreutes Wohnen. Oder altersgerechtes Wohnen. Oder eine Airbnb-Einheit mit Zutrittscode statt Schlüsselübergabe. Die Elektrik bleibt dieselbe, nur die Funktion ändert sich.

Erweitern lässt sich nahtlos: Mieterstrommodell, Energiemanagement mit PV-Anlage, E-Mobilität, Zutrittssteuerung. Selbst Funkschalter ergänzen wir an beliebiger Stelle, ohne dass wir eine Wand aufreißen müssen. Das ist Sicherheit im Investment.

Was sich alles anbinden lässt

Die Liste ist nicht abgeschlossen. Sie zeigt aber ganz gut, wie weit der Rahmen geht:

  • Energiemanagement mit PV-Anlage, Batteriespeicher und Wärmepumpe
  • E-Mobilität: Wallbox mit Überschussladen, Lastmanagement bei mehreren Fahrzeugen
  • Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG, also reduzierte Netzentgelte und in Modul 3 dynamische Netzentgelte
  • Audio in jedem Raum, Türkommunikation mit Bild, Zutritt per Code oder Transponder
  • Lüftungssteuerung mit Wärmerückgewinnung, Einbindung von Klimaanlagen und Klimaautomation
  • Sauna, Pool und Whirlpool, aufgeheizt nach Zeitplan oder auf Zuruf
  • Gartenbewässerung nach Wetterdaten, Mähroboter, Außenbeleuchtung
  • Einbindung smarter Küchengeräte, Waschmaschine und Trockner ins Lastmanagement
  • Sicherheit: Anwesenheitssimulation, Wassermelder und Leckageschutz, vernetzte Rauchmelder
  • Assistenz im Alter: Sturzerkennung, Notruffunktion, Nachtlichtpfad, Herdabschaltung

In einer klassischen Elektroinstallation ist jeder einzelne dieser Punkte ein eigenes Gerät mit eigener App. Bei uns ist es eine Einstellung im System.

Förderungen 2026: Was der Staat beisteuert

Moderne Gebäudetechnik wird gefördert, und zwar über mehrere Wege gleichzeitig. Wer seine Elektrik fördern lässt und langfristig Energiekosten spart, bereitet sein Gebäude auf die Welt von morgen vor.

Diese Programme kommen für eine smarte Elektroinstallation in Frage:

FörderwegWas gefördert wirdHöhe (Stand 22.09.2026)
BAFA – BEG Einzelmaßnahmen (Nr. 5.4)Digitale Systeme zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung: Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Smart-Home- und Gebäudeautomation im Wohngebäude15 % Zuschuss, + 5 % mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP). Seit 21.07.2026 gilt der iSFP-Bonus nur noch für Beträge über 30.000 €.
KfW 458 – HeizungsförderungGebäude- und Energiemanagement als Umfeldmaßnahme beim Heizungstausch (z. B. Einbindung Wärmepumpe, PV, Speicher)Teilt den Fördersatz der Heizung, bis zu 70 % der förderfähigen Kosten.
§ 35c EStG – SteuerermäßigungEnergetische Sanierung selbstgenutzter Immobilien, alternativ zum Zuschuss (nicht kombinierbar)20 % der Kosten, verteilt auf 3 Jahre, max. 40.000 € je Objekt.
§ 35a EStG – HandwerkerleistungArbeitskosten, wenn keine andere Förderung greift20 % der Arbeitskosten, max. 1.200 € pro Jahr (Absenkung angekündigt).
KfW 159 – Altersgerecht UmbauenBarrierereduzierung, Assistenz- und Bediensysteme, Türantriebe, BeleuchtungZinsgünstiger Kredit bis 50.000 € je Wohneinheit. Der Zuschuss 455-B ist seit 30.07.2026 ausgeschöpft.
BAFA – BEG EM NichtwohngebäudeGebäudeautomation, MSR-Technik, Beleuchtung und Lüftung in Gewerbe- und Betriebsgebäuden15 % Zuschuss auf max. 500 € je m² Nettogrundfläche. Energieeffizienz-Experte erforderlich.
L-Bank BW – Energieeffizienz-FinanzierungErgänzungskredit zu KfW-Programmen, speziell für Baden-WürttembergBis 50.000 € je Wohneinheit, ab 0,01 % p. a., Laufzeit bis 20 Jahre.
Wichtig: Der Antrag muss immer vor der Auftragsvergabe gestellt werden.

Verträge werden unter der aufschiebenden Bedingung der Förderzusage geschlossen. Zuschuss und Steuerermäßigung nach § 35c EStG schließen sich gegenseitig aus. Alle Angaben Stand 22.09.2026, ohne Gewähr. Wir prüfen den passenden Weg für Ihr Projekt gemeinsam mit Ihnen.

Kupferpreise: warum smart heute kaum teurer ist

Stand September 2026 sehen wir neue Rekordpreise beim Kupfer. Am 21.09.2026 lag die Tonne bei 12.872,79 Euro. Vor zwölf Monaten waren es rund 4.300 Euro weniger. Das ist eine Steigerung von etwa 50 Prozent in einem Jahr.

Kupfer, Stand 21.09.202612.872,79 Euro pro Tonnerund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr

Das trifft die klassische Elektrik härter als die smarte. Bei einer klassischen Installation geht für jeden Schalter und jede Leuchte eine eigene Lastleitung durchs Gebäude. Bei Basic Smart wird die Information, also Licht an oder Raumtemperatur, über ein Kupferkabel mit sehr dünnem Querschnitt übertragen. Deutlich weniger Kupfer. Und die Anlage bleibt flexibel erweiterbar, selbst bei fester Verkabelung.

Daher ist eine Basic Smart Gebäudeinstallation heute maximal 5 Prozent teurer als eine klassische Elektrik. Bei allen Vorteilen, die sie mitbringt.

Vorher: e-team Monteur bei der Elektroinstallation im Rohbau des TreppenhausesNachher: dasselbe Treppenhaus fertig, mit Präsenzmelder, Taster und Wandleuchte
Kupfer ist der teuerste Posten auf der Baustelle. Smart installiert brauchen wir spürbar weniger davon. · Foto: @eteam_smarthome

Wann sich das Ganze nicht lohnt

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Es gibt Fälle, in denen wir abraten.

Wenn der Umfang extrem gering ist, sind Sie mit der herkömmlichen Elektrik am besten aufgehoben. Keine Fußbodenheizung, keine elektrische Verschattung, ein Licht pro Raum, und das soll nicht einmal dimmbar sein. Da bringt ein Bussystem nichts.

Sobald es etwas mehr Komfort oder etwas mehr Sicherheit sein soll, dreht sich die Rechnung. Dann sind Sie heutzutage mit der Basic Smarten Elektrik am besten aufgehoben.

Welche Nachteile bringt eine smarte Elektrik?

Updates: empfohlen, aber nicht notwendig

Ein Update ist nicht notwendig, aber empfohlen. Wir haben durchaus Projekte, die zehn Jahre lang kein Update gesehen haben und einwandfrei laufen.

Wer trotzdem aktualisiert, macht das, weil bei jedem Update neue Funktionen und neue Produkte nutzbar werden, ohne dass wir in die Elektroinstallation eingreifen müssen. Einfach das Gebäude updaten. Die Kosten dafür sind überschaubar und umlagefähig. In einem normalen Gebäude werden sie von den Energieeinsparungen getragen, meistens sogar mehr als das.

Der Herstellerdschungel

Es gibt unendlich viele Hersteller auf dem Markt, die Do-it-yourself-Lösungen oder Nachrüstlösungen anbieten. Nachhaltige, wartungsfreie Anlagen liefern die wenigsten davon.

Die Schwierigkeit für den Endkunden ist heute nicht die Technik. Es ist die Auswahl. Ein System zu finden, das wirklich nachhaltig ist und viele Jahrzehnte überdauert, ist der schwierigste Teil an der ganzen Entscheidung. Dabei unterstützen wir Sie gerne.

Häufige Fragen

Ist eine smarte Elektroinstallation wirklich nur 5 Prozent teurer?
In unserem Basic Smart Programm ja. Der Mehrpreis für die Systemtechnik wird zum großen Teil durch den geringeren Kupfer- und Verlegeaufwand ausgeglichen. Bei den aktuellen Kupferpreisen stärker als noch vor zwei Jahren.
Was ist, wenn der Hersteller in zehn Jahren nicht mehr existiert?
Das ist ein Totschlagargument. Das Problem hat jeder. Auch bei einer KNX-Installation gibt es Hersteller für die KNX-Komponenten. Und niemand macht sich einen Lichtschalter von MDT an die Wand, einen von Jung und einen von Gira. Man tauscht immer das gesamte System, schon deshalb, weil die Funktionen zum Beispiel bei einem Jalousieaktor herstellerspezifisch sind, auch innerhalb von KNX. Wichtiger als der Herstellername sind zwei Dinge: bewährte Komponenten und eine herstellerunabhängige Verkabelung.
Kann ich später noch Schalter oder Funktionen ergänzen?
Ja. Funkschalter lassen sich an beliebiger Stelle ergänzen, ohne Wände aufzureißen. Wallbox, PV-Energiemanagement oder Zutrittssteuerung binden wir auch nachträglich ein.
Lohnt sich das auch bei einer Mietwohnung?
Gerade da. Eine smarte Grundinstallation erlaubt es, die Einheit später zu betreutem Wohnen, altersgerechtem Wohnen oder zu einer kurzzeitvermieteten Einheit umzurüsten. Ohne Eingriff in die Elektrik.

Fazit

Altmodisch ist heute nicht mehr der sichere Weg. Es ist nur der bekanntere.

Wer 2026 baut oder saniert, hat die Wahl zwischen einem Gebäude, das so bleibt wie es ist, und einem, das sich anpassen lässt. Bei rund 5 Prozent Unterschied in der Investition, staatlicher Förderung und einem Kupferpreis, der die klassische Variante härter trifft als die smarte.

Die Auswahl des richtigen Systems ist der schwierigste Teil. Dabei unterstützen wir Sie gerne.

Bad mit indirekt beleuchtetem Spiegelschrank und Steinwaschtisch
Funktion und Innenarchitektur schließen sich nicht aus, wenn die Technik von Anfang an mitgeplant wird. · Foto: @eteam_smarthome
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Marc Köbach, Geschäftsführer von e-team smart home
Marc KöbachGeschäftsführer e-team smart homeElektrotechnik und Gebäudeautomation in Ravensburg und Umgebung. Seit über zehn Jahren im Handwerk, ausgebildet in der Industrie.