Ratgeber · Heizung · Gebäudeautomation

Standard Heizung oder Smarte Heizung? Grenzen der Heizungsbauer

Warum eine wirklich effiziente Heizung Informationen braucht, die nur die Elektrik liefert
23. September 2026 · 8 Minuten Lesezeit · Marc Köbach
Flur mit Deckenspots und Blick in den Wohnbereich
Die Heizung sitzt im Keller. Die Informationen, die sie braucht, sitzen an der Decke. · Foto: @eteam_smarthome

Wir werden oft gefragt, wer eigentlich für eine effiziente Heizung zuständig ist. Der Heizungsbauer? Oder der Elektriker? Die ehrliche Antwort: beide. Und zwar zusammen.

In diesem Beitrag zeigen wir, wo die Arbeit des Heizungsbauers endet, wo unsere anfängt und warum die wirklichen Einsparungen genau an dieser Grenze liegen.

Zwei Gewerke, eine Heizung

Eine Heizung besteht aus zwei Teilen. Der eine Teil erzeugt und verteilt die Wärme. Das ist Wärmepumpe oder Kessel, Speicher, Pumpen, Rohre, Fußbodenheizung. Der andere Teil entscheidet, wann, wo und wie viel geheizt wird.

Den ersten Teil baut der Heizungsbauer. Den zweiten Teil bauen in den meisten Häusern: niemand. Die Entscheidung trifft dann ein Thermostat an der Wand und ein Temperaturfühler an der Außenwand.

Genau hier verschenken die meisten Häuser Energie.

Was der Heizungsbauer liefert

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ohne einen guten Heizungsbauer geht gar nichts. Er dimensioniert den Wärmeerzeuger, plant die Hydraulik, macht den hydraulischen Abgleich und stellt die Heizkurve ein. Das ist Handwerk, das wir nicht ersetzen und auch nicht ersetzen wollen.

Sein Werkzeug für die Regelung ist die Heizungssteuerung am Wärmeerzeuger. Die arbeitet witterungsgeführt. Ein Fühler misst die Außentemperatur, daraus ergibt sich die Vorlauftemperatur. Kälter draußen, wärmer das Wasser. Das funktioniert. Es ist aber auch alles, was die Heizung von der Welt weiß.

Die Heizung kennt nur das Thermometer

Die Heizungssteuerung weiß, wie kalt es jetzt gerade draußen ist. Sie weiß nicht, wie das Wetter morgen wird. Sie weiß nicht, ob jemand zu Hause ist. Sie weiß nicht, dass im Schlafzimmer seit zwanzig Minuten das Fenster offen steht. Und sie weiß nicht, dass auf dem Dach gerade die PV-Anlage mehr Strom erzeugt, als das Haus verbraucht.

Diese Informationen gibt es alle. Sie stecken in Präsenzmeldern, Fensterkontakten, Wetterstation und Energiezähler. Und die gehören zur Elektrik.

Der Heizungsbauer baut die Heizung. Der Elektriker sagt ihr, wann sie gebraucht wird.

Mit den Mitteln seines Gewerks kann der Heizungsbauer diese Steuerungen nicht umsetzen. Das Können ist da. Es fehlen schlicht die Informationen.

Wer ist zu Hause?

Präsenzmelder kennt man vom Licht. Sie schalten ein, wenn jemand den Raum betritt. In einer smarten Elektroinstallation liefern sie aber viel mehr: Sie wissen, welche Räume gerade genutzt werden und ob überhaupt jemand im Haus ist.

Für die Heizung ist das die wichtigste Information überhaupt. Das Gästezimmer muss nicht auf 21 Grad stehen, wenn seit drei Wochen niemand darin war. Das Homeoffice muss am Samstag nicht warm sein. Und wenn die ganze Familie im Urlaub ist, merkt das Haus das selbst.

6 Prozentweniger Heizenergie für jedes Grad, das ein Raum kühler bleibt. Faustregel der Verbraucherzentrale.

Wer nur die Räume heizt, die gerade genutzt werden, spart also nicht im Kleinen. Jeder Raum, der ein oder zwei Grad kühler bleiben darf, zählt.

Offenes Fenster, geschlossenes Ventil

Stoßlüften ist richtig. Stoßlüften mit voll aufgedrehter Heizung darunter ist teuer. In den meisten Häusern passiert genau das: Das Fenster geht auf, der Raum kühlt ab, das Thermostat merkt es und heizt dagegen an.

Mit einem Fensterkontakt weiß das System, dass gelüftet wird. Das Ventil in diesem Raum schließt, solange das Fenster offen ist. Wird das Fenster wieder geschlossen, regelt der Raum zurück auf seinen Sollwert. Niemand muss daran denken.

Der Heizungsbauer bekommt diese Information nicht. Ein Fensterkontakt ist ein Elektroteil, verkabelt über die Elektroinstallation, und endet in der Gebäudesteuerung.

e-team Programmierer mit Laptop im Technikraum
Die Regeln für die Heizung werden programmiert, nicht verrohrt. · Foto: @eteam_smarthome

Der Wetterbericht von morgen

Eine witterungsgeführte Heizung reagiert auf das Wetter von jetzt. Eine smarte Heizungssteuerung plant mit dem Wetter von morgen.

Dafür nutzen wir zwei Quellen: eine Wetterstation am Gebäude für die aktuellen Werte vor Ort und einen Wetterservice für die Prognose der nächsten Tage. Daraus ergibt sich, wie viel Sonne morgen kommt, wie kalt die Nacht wird und wann die PV-Anlage Strom liefert.

Ein Beispiel: Für morgen ist Sonne angesagt. Dann muss der Warmwasserspeicher heute Nacht nicht mit Netzstrom aufgeheizt werden. Das übernimmt morgen Mittag die Sonne. Umgekehrt gilt das auch: Ist heute sonnig und morgen trüb, laden wir heute mehr Wärme ins Haus, solange der Strom vom eigenen Dach kommt.

Auch die Beschattung spielt mit. Scheint die Wintersonne auf die Südfenster, fahren die Raffstores hoch und die Sonne heizt mit. Die Heizung nimmt sich in diesen Räumen zurück, bevor es zu warm wird, und nicht erst danach.

Die Sonne als Heizung

Mit einer Wärmepumpe und einer PV-Anlage auf dem Dach wird die Heizung zum größten steuerbaren Verbraucher im Haus. Der beste Zeitpunkt zum Heizen ist dann der, an dem der eigene Strom übrig ist.

Die meisten Wärmepumpen haben dafür eine Schnittstelle, zum Beispiel SG Ready. Darüber kann die Gebäudesteuerung der Wärmepumpe sagen: Jetzt ist Überschuss da, heize den Speicher etwas höher als nötig. Oder: Jetzt ist Strom knapp, warte noch.

Dazu kommt § 14a EnWG. Wärmepumpen und Wallboxen gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Dafür gibt es reduzierte Netzentgelte, und der Netzbetreiber darf die Leistung im Ausnahmefall begrenzen. Eine Gebäudesteuerung verteilt die verfügbare Leistung dann sinnvoll, statt einfach abzuschalten.

Was all diese Signale zusammenführt, ist das Energiemanagement. Mehr dazu auf unserer Seite zu Energie und Photovoltaik.

Energieflussmonitor mit PV-Anlage, Netzbezug und Wallboxen
Der Energiefluss auf einen Blick: Wann die Heizung den Strom vom eigenen Dach nutzt, entscheidet die Gebäudesteuerung. · Foto: @eteam_smarthome

Erst heizen, wenn es sich lohnt

Jetzt wird es technisch, aber hier liegt einer der größten Hebel.

Stellen Sie sich einen kühlen Herbstmorgen vor. Im Bad fordert ein einziger Raum etwas Wärme an. Eine klassische Regelung öffnet das Ventil, die Pumpe läuft an, und heißes Wasser wird aus dem Speicher durch den ganzen Heizkreis geschickt. Für einen Raum. Der Speicher kühlt aus, die Wärmepumpe springt an, taktet kurz und geht wieder aus.

Wir regeln das anders. Solange nur ein Raum ein wenig Wärme braucht, wird noch kein heißes Wasser aus dem Speicher entnommen. Erst wenn mehrere Räume einen bestimmten Bedarf überschritten haben, wird der Heizkreis freigegeben. Dann aber richtig.

Das Ergebnis: weniger Pumpenlaufzeit, weniger Takten der Wärmepumpe, ein Speicher, der seine Temperatur hält. Die Räume merken davon nichts. Eine Fußbodenheizung ist träge genug, um eine halbe Stunde zu warten.

In 10-Prozent-Schritten statt Auf und Zu

Die meisten Stellantriebe an einer Fußbodenheizung kennen zwei Zustände: auf oder zu. Das Ventil öffnet ganz, der Raum wird zu warm, das Ventil schließt ganz, der Raum kühlt zu weit ab. Die Temperatur pendelt ständig um den Sollwert.

Wir setzen stetige Stellantriebe ein, die in 10-Prozent-Schritten angesteuert werden. Das Ventil öffnet genau so weit, wie der Raum gerade Wärme braucht. Ist es draußen mild, reichen vielleicht 30 Prozent. In einer kalten Nacht 80 Prozent.

Konstante Raumtemperatur ist dabei nicht nur Komfort. Wer nicht ständig über den Sollwert hinausschießt, heizt auch nicht ständig zu viel.

Wie viel das ausmacht, sehen wir in einem unserer Projekte. In einer Arztpraxis haben wir die Heizung mit smarten Stellantrieben ausgestattet. Nur damit. Vorher lag der Verbrauch bei rund 2.500 Litern Heizöl im Jahr. Heute sind es rund 1.500 Liter.

Aus unseren Projekten: Arztpraxis1.000 Liter Heizöl weniger, Jahr für JahrVon 2.500 auf 1.500 Liter im Jahr, allein durch smarte Stellantriebe. Das sind 40 Prozent weniger Verbrauch.

Warmwasser, wenn jemand da ist

Ein Posten, den kaum jemand auf dem Schirm hat, ist die Zirkulationspumpe für das Warmwasser. Sie sorgt dafür, dass am Wasserhahn sofort warmes Wasser kommt. Dafür pumpt sie warmes Wasser durch die Leitungen, und das oft den ganzen Tag, auch nachts und wenn niemand zu Hause ist. Jeder Meter Leitung gibt dabei Wärme ab.

Mit Präsenzmeldern schalten wir die Zirkulationspumpe dann, wenn sie gebraucht wird. Morgens, wenn im Bad Bewegung ist. Abends, wenn in der Küche gekocht wird. Nicht nachts um drei und nicht, wenn das Haus leer ist.

Gleiches gilt für den Warmwasserspeicher. Er wird bevorzugt dann aufgeheizt, wenn die PV-Anlage liefert, und nicht dann, wenn der Strom am teuersten ist.

Heizkreisverteiler der Fußbodenheizung mit verkabelten Stellantrieben
Hier laufen alle Informationen zusammen: Präsenz, Fenster, Wetter, Energie. · Foto: @eteam_smarthome

Ein Wintertag im Haus

So sieht das Zusammenspiel an einem ganz normalen Wintertag aus:

  1. 05:30Die Wetterprognose sagt Sonne ab 11 Uhr. Der Warmwasserspeicher bleibt vorerst, wie er ist.
  2. 06:30Bewegung im Bad. Zirkulationspumpe läuft an, das Bad hat seine Morgentemperatur.
  3. 08:00Alle aus dem Haus. Die Präsenzmelder melden leere Räume, die Heizung senkt ab.
  4. 11:30PV-Überschuss. Die Wärmepumpe heizt Speicher und Estrich mit eigenem Strom.
  5. 17:00Die Familie kommt heim. Wohnräume sind auf Solltemperatur, ohne Netzstrom dafür.
  6. 22:00Fenster im Schlafzimmer zum Lüften offen. Das Ventil dort bleibt zu, bis es wieder geschlossen ist.

Nichts davon muss jemand einstellen oder daran denken. Das Haus erledigt es selbst.

So arbeiten Heizungsbauer und Elektriker zusammen

Die gute Nachricht: Es gibt keinen Streit um Zuständigkeiten. Die Aufgaben sind klar verteilt, wenn man sie früh verteilt.

AufgabeHeizungsbauerElektriker mit Gebäudeautomation
Wärmeerzeuger, Speicher, HydraulikPlant, liefert und baut einBindet die Anlage über die Schnittstelle ein, zum Beispiel SG Ready
Hydraulischer Abgleich, HeizkurveStellt einNutzt die Werte als Grundlage für die Raumregelung
EinzelraumregelungThermostat pro Raum, meist Auf/ZuStetige Regelung in 10-Prozent-Schritten, pro Raum mit Präsenz und Zeitprofil
Anwesenheit und FensterKeine InformationPräsenzmelder und Fensterkontakte in jedem Raum
WetterAußenfühler, aktueller WertWetterstation vor Ort plus Wetterprognose für die nächsten Tage
PV-Strom und § 14a EnWGKeine InformationEnergiemanagement: Überschuss nutzen, Leistung sinnvoll verteilen
Warmwasser und ZirkulationSpeicher und PumpeSchaltet nach Präsenz, Tageszeit und PV-Ertrag
Wichtig: Die Schnittstelle zwischen beiden Gewerken muss vor dem Rohbau geklärt sein.

Welche Wärmepumpe mit welcher Schnittstelle, wie viele Heizkreise, welche Stellantriebe, wo Präsenzmelder und Fensterkontakte sitzen. Das kostet in der Planung eine Stunde Abstimmung. Nachträglich kostet es Leitungen in fertigen Wänden. Wir stimmen uns deshalb direkt mit Ihrem Heizungsbauer ab.

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Mehr Informationen
Praxisbeispiel: Heizen, Kühlen und Lüften mit Loxone und Hoval · Video: LOXONE / YouTube

Übrigens: Eine selbsttätig wirkende Einrichtung zur raumweisen Regelung der Raumtemperatur schreibt das Gebäudeenergiegesetz ohnehin vor, wenn eine Heizung mit Wasser als Wärmeträger eingebaut wird. Pro Raum geregelt wird also sowieso. Die Frage ist nur, wie gut.

Häufige Fragen

Brauche ich dafür eine neue Heizung?
Nein. Die Gebäudesteuerung arbeitet mit der vorhandenen Heizung zusammen. Am meisten holen wir heraus, wenn eine Wärmepumpe mit Schnittstelle und eine Fußbodenheizung vorhanden sind. Aber auch bei einem Öl- oder Gaskessel lassen sich Einzelraumregelung, Fensterkontakte und Präsenz sinnvoll nutzen.
Kann ich das auch im Bestand nachrüsten?
In vielen Fällen ja. Stellantriebe an der Fußbodenheizung lassen sich tauschen, Fensterkontakte und Präsenzmelder gibt es auch als Funkvariante. Am einfachsten und günstigsten ist es aber im Neubau oder bei einer Sanierung, wenn die Leitungen ohnehin gezogen werden.
Arbeiten Sie mit meinem Heizungsbauer zusammen?
Ja, das ist sogar der Normalfall. Wir stimmen die Schnittstelle, die Zahl der Heizkreise und die Stellantriebe direkt mit ihm ab. Er bleibt für Wärmeerzeuger und Hydraulik zuständig, wir für die Regelung.
Was passiert, wenn die Gebäudesteuerung ausfällt?
Dann heizt die Heizung weiter. Die Wärmepumpe oder der Kessel hat seine eigene Regelung und arbeitet witterungsgeführt im Grundbetrieb. Das Haus wird nicht kalt. Es heizt nur so, wie es ohne Gebäudesteuerung auch heizen würde.

Fazit

Eine effiziente Heizung entsteht nicht im Heizungskeller allein. Sie entsteht dort, wo die Heizung erfährt, wer zu Hause ist, welches Fenster offen steht, wie das Wetter morgen wird und wann der eigene Strom übrig ist.

Diese Informationen liefert die Elektrik. Der Heizungsbauer baut eine gute Heizung. Zusammen mit dem Elektriker wird daraus eine effiziente.

Wer baut oder saniert, sollte beide Gewerke von Anfang an an einen Tisch holen. Dabei unterstützen wir Sie gerne.

Wohnhaus am Abend mit beleuchteten Räumen
Konstante Raumtemperatur, ohne dass jemand am Thermostat drehen muss. · Foto: @eteam_smarthome
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Wir schauen uns Ihr Projekt an, stimmen uns mit Ihrem Heizungsbauer ab und sagen Ihnen ehrlich, welche Regelung sich für Ihr Gebäude lohnt.

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Marc Köbach, Geschäftsführer von e-team smart home
Marc KöbachGeschäftsführer e-team smart homeElektrotechnik und Gebäudeautomation in Ravensburg und Umgebung. Seit über zehn Jahren im Handwerk, ausgebildet in der Industrie.